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Spannung liegt in Sachsen in der 'Eisenbahn-Luft'. Aufgeregt warten die Mitglieder von vielen Vereinen in diesen Wochen auf eine
Entscheidung 'der Söllmnitzer Denkmalszug sucht eine neue Heimat' und die möglichst auf einer Schmalspurbahn zwischen
der Leipziger Tieflandsbucht und dem Erzgebirge. Doch bei der Vergabe ist nicht entscheidend, wer das meiste Geld bietet, sondern
wer das beste Konzept vorlegt, was er mit den drei Fahrzeugen machen will. Ursprünglich sollte bereits Ende Februar geklärt sein,
wer den Zug erhält. Doch jetzt will die Stadt Gera, zu der das kleine Söllmnitz gehört, auf Nummer sicher gehen.
Jeder soll seine Chance bekommen, erklärt die neue Chefin des Ortschaftsrates von Söllmnitz, Sylvia Starke. Alle Vereine,
die sich jemals um den Zug bemüht haben, werden angeschrieben und aufgefordert, bei Interesse ein aktuelles Konzept auszuarbeiten
und abzugeben. So kann kein einst Interessierter im Nachhinein sagen, er habe von der Abgabe nichts gewusst. Die Entscheidung, wer die
drei sächsischen Fahrzeuge letztendlich erhält, trifft dann der Ortschaftsrat in Zusammenarbeit mit der Stadt Gera vielleicht
schon im März, unter Umständen aber auch erst im April. Bis dahin kribbelt es bei vielen Vereinen vor Aufregung. Hoffnung auf
den Zug machen sich zum Beispiel die Mitglieder des Schwarzbachbahnvereins. Sie wollen der einzigen Schmalspurbahn in der Sächsischen
Schweiz von Goßdorf-Kohlmühle nach Hohnstein (1897 bis 1951) gern ein Denkmal setzen. Bisher können die Eisenbahnfreunde jedoch keinen
einzigen Meter Gleis vorweisen, auch würde der Zug bei einer Abgabe an diesen Verein voraussichtlich weiterhin im Freien stehen, was
vor allem der stark verrosteten Dampflok 99 555 auf Dauer nicht gut tun würde. Der noch erhaltene Lokschuppen in Hohnstein wird von der
Busgesellschaft des Landkreises genutzt. Trotzdem hoffen die Schwarzbachbahner, den Zug in die Sächsische Schweiz holen zu können,
war doch Lok 99 555 einst viele Jahre auf 'ihrer' Strecke im Einsatz. Mit dieser Begründung machen sich aber auch die Mitglieder des
Interessenverbandes der Zittauer Schmalspurbahnen aus dem äußersten Osten Sachsens Hoffnungen auf den Zug. Auf den von Zittau
ausgehenden Strecken war die kleine IV K immerhin von 1909 bis 1926 unterwegs. Auch würde der Verein der Lokomotive sofort einen Platz
im Bertsdorfer Lokschuppen bieten können, wo schon 99 715, 99 4532 und VT 137 322 von den Eisenbahnfreunden betreut werden. Selbst eine
betriebsfähige Aufarbeitung der Söllmnitzer Lok könnten sich die Zittauer Vereinsmitglieder langfristig vorstellen, was
für die beiden Reisezugwagen bereits nach wenigen Monaten möglich würde. Sehr engagiert treten auch die Mitglieder des
Fördervereins Historische Westsächsische Eisenbahnen auf, die in den letzten Monaten den Lokschuppen Carlsfeld, am ehemaligen
Endpunkt der Schmalspurbahn von Wilkau-Haßlau, vorbildlich instandgesetzt haben. Dem Vereinsvorstand geht es jedoch vor allem um
einen der beiden Wagen des Söllmnitzer Denkmalszuges (970-415), war dieser doch ber viele Jahre auf eben jener Schmalspurbahn
beheimatet. Nach der Einstellung des Reiseverkehrs auf dieser Strecke stand er noch bis Mai 1977 mit seinen 3.-Klasse-Sitzbänken in
Schönheide-Süd abgestellt, bis er nach Söllmnitz kam. Gern würde der Verein aber auch den ganzen Zug übernehmen
und in Carlsfeld aufstellen. Neben den drei genannten Vereinen reihen sich ebenfalls das Schmalspurmuseum Oberrittersgrün, die
Museumsbahn Schönheide und die Preßnitztalbahn in die Gruppe derer ein, die seit 1990 einmal Interesse an dem Söllmnitzer
Denkmalszug gezeigt haben. Besonders bei den beiden Museumsbahnen hätten die drei Fahrzeuge aus Thüringen natürlich beste
Zukunftsaussichten, beide Vereine haben mit der Aufarbeitung von Lokomotiven der Gattung IV K und von Reisezugwagen der sächsischen
Gattung 711/720 große Erfahrungen. Doch auch das Sächsische Eisenbahnmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf und der Kohlebahnverein aus
Haselbach (900-mm-Grubenbahn) mit dem neuen Museum im Bahnbetriebswerk Meuselwitz haben weiterhin Interesse an den 750-mm-Fahrzeugen
bekundet, obwohl sie dort weiterhin entfernt von jeder sächsischen Schmalspurbahnstrecke würden. Befürchtungen von
Eisenbahnfreunden, der Söllmnitzer Zug könnte in den Westen Deutschlands kommen, beugt die Chefin des Ortschaftsrates vor. Eine
Abgabe dahin sei nicht beabsichtigt, so Sylvia Starke. Doch auch aus anderen Ecken Deutschlands, sogar von der Insel Rügen, liegt
Interesse an den Fahrzeugen vor. Viele sächsische Eisenbahnfreunde hoffen entsprechend, da ß möglichst ein Schmalspurbahnverein
aus Sachsen den Zuschlag erhält. Doch bis dahin heißt es abwarten!
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